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Risikomanagement als Erfolgsfaktor für Transformation: Was KMU jetzt mindestens tun müssen

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Ein Beitrag von Ronald Lehnert

Transformation, Digitalisierung und KI stehen ganz oben auf der Agenda vieler KMU. Gleichzeitig entbehren viele dieser Projekte einer zukunftstauglichen Grundlage.
Risiken werden „nur gefühlt“, aber nicht strukturiert erfasst und gesteuert.

Risikomanagement ist kein Konzern-Luxus, sondern ein zentraler Erfolgsfaktor.

Transformationsprojekte verändern Strukturen, Prozesse und Finanzen. Vier Risikobereiche sind für KMU besonders relevant:

1. Finanzielle Risiken: Wie wirken sich Ihre Transformationsvorhaben auf Liquidität, Ergebnis und Kapitaldienst in den nächsten 12 bis 36 Monaten aus?

  • Liquiditätsrisiko: Investitionen, Anlaufphasen, verzögerte Erlöse
  • Ergebnisrisiko: höhere Aufwände, geringere Produktivitätsgewinne
  • Finanzierungs- und Zinsrisiken: zu viel Kurzfristfinanzierung, steigende Zinsen

2. Operative Risiken: Welche kritischen Abläufe hängen von Einzelpersonen oder unsicheren Übergängen ab?

  • Prozessbrüche durch parallele alte oder neue Abläufe
  • Abhängigkeit von Schlüsselpersonen
  • IT- und Systemsicherheitsrisiken bei neuen Tools und KI-Anwendungen

3. Markt- und Kundenrisiken: Wie stark hängt Ihre Entwicklung von wenigen Kunden oder Märkten ab?

  • Hohe Kundenkonzentration, branchenspezifische Abhängigkeiten
  • Unsicherheit, wie neue Produkte und Services wirklich angenommen werden

4. Governance- und Compliance-Risiken: Wo erzeugen neue Technologien, Prozesse oder Finanzierungen zusätzliche Pflichten?

  • Datenschutz und rechtliche Anforderungen bei neuen digitalen Lösungen
  • ESG- und Nachhaltigkeitsanforderungen in Lieferketten und Finanzierung
  • Fördermittel-Compliance bei Transformationsprojekten

Welches Setup benötigen KMU jetzt im Risikomanagement?

Das Risikomanagement im KMU muss schlank, aber verbindlich sein. Dabei reichen aus meiner Sicht, vier Bausteine als Minimum aus:

1. Regelmäßige Risiko-Inventur

Die Risiko-Inventur ist aus meiner Sicht einmal jährlich, in intensiven Phasen auch halbjährlich notwendig.
Hier geht es um die systematische Erfassung der wesentlichen Risiken (finanziell, operativ, Markt/Kunde, Governance). Der Fokus liegt dabei auf den 10 bis 20 wichtigsten Risiken für das Unternehmen. Die Wichtigkeit schlägt dabei die Vollständigkeit.

2. Einfache Bewertung und Priorisierung

Bauen Sie daraus eine kleine Matrix und bewerten die Risiken nach Eintrittswahrscheinlichkeit, Schadenshöhe und zeitlicher Nähe. Daraus leiten Sie eine Top‑10-Risikoliste für die Geschäftsführung, die strategische Planung oder auch für anstehende Bankgespräche ab.

3. Konkrete Maßnahmen mit Verantwortlichkeiten

Bleiben Sie verbindlich! Definieren Sie zu jeder Maßnahme eine klare Verantwortung, eine fixe Frist und ein sauberes Reporting. Bei Risiken, die auf Ihrer Prioritätsliste stehen: Die Maßnahmen richten sich explizit daran aus, wie man mit dem beschriebenen Risiko umgeht. Konkret: Maßnahmen zur Vermeidung, Begrenzung, Reduzierung oder eine potenzielle Risikoübertragung (Versicherung, Factoring).

4. Verknüpfung mit Liquidität, Controlling und Finanzierung

Aus meiner Sicht die Königsdisziplin: Finanzielle Risiken sind in die Liquiditätsplanung und planerischen Szenarien zu integrieren. Dabei werden zentrale Risiken in Kennzahlen und Management-Reports abgebildet. Den Banken und Finanzpartnern werden so nicht nur Zahlen, sondern auch der strukturierten Umgang mit Risiken gezeigt. Digitale Tools und KI helfen dabei, Daten und Muster schneller zu erkennen (z.B. Zahlungsverhalten, Kosten, Auslastung). Sie ersetzen aber nicht die strategische Entscheidung, denn die Geschäftsführung nutzt die Daten, um Risiken bewusster zu steuern aber nicht, um Verantwortung abzugeben.

Fazit

Eine Transformation eröffnet gute strategische Chancen. Ohne ein strukturiertes Risikomanagement bleibt sie aber ein Blindflug. Der Unternehmer, der jetzt ein pragmatisches Risikomanagement aufbaut, erkennt Risiken früh, verankert diese in Liquiditätsplanung und Controlling und gewinnt Vertrauen bei Banken, Mitarbeitenden und Geschäftspartnern. So entsteht das Sicherheitsnetz, das die Transformation stabil und erfolgreich macht.

Kontakt zu Ronald Lehnert: info@digitalkonzepte.biz

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