Herr Becker, wofür stehen Sie persönlich in Ihrer Beratungsarbeit?
Ich stehe für Klarheit und Umsetzbarkeit. Transformation wird häufig überfrachtet – mit Methoden, Programmen oder großen Versprechen. Mein Anspruch ist ein anderer: Ich will Organisationen dabei unterstützen, handlungsfähig zu bleiben oder es wieder zu werden. Das gelingt nur, wenn Strategie, Struktur und Führung zusammen gedacht werden. Haltung ist dabei zentral: Verantwortung übernehmen, Entscheidungen treffen und sie auch aushalten.
Welche typischen Herausforderungen sehen Sie aktuell bei KMU?
Viele mittelständische Unternehmen stecken in einem strukturellen Spannungsfeld. Einerseits steigt die Komplexität – Märkte verändern sich schneller, Kunden erwarten mehr, KI im Unternehmen wird zum Thema. Andererseits sind die internen Strukturen oft auf Stabilität und Effizienz ausgelegt. Typische Symptome sind:
- zu viele parallele Initiativen ohne klare Priorisierung
- überlastete Führungskräfte, die operativ gebunden sind
- unklare Entscheidungswege
Das Problem ist selten fehlender Wille, sondern fehlende organisatorische Übersetzung.
Wie gehen Sie methodisch vor – möglichst ohne Fachjargon?
Im Kern geht es um drei Schritte. Erstens: Wir klären, welches Problem wirklich gelöst werden soll. Das klingt banal, ist aber entscheidend. Zweitens: Wir schaffen Klarheit über Rollen, Entscheidungen und Prozesse. Wer entscheidet was? Wo liegt Verantwortung? Drittens: Wir begleiten die Umsetzung – insbesondere auf Führungsebene. Veränderung entsteht nicht durch Konzepte, sondern durch verändertes Verhalten im Alltag.
Können Sie ein typisches Praxisbeispiel schildern?
Ein produzierendes Unternehmen kam mit dem Ziel zu uns, „agiler“ zu werden. Es gab Workshops, neue Meetingformate und ein digitales Toolset. Trotzdem blieb alles beim Alten. In der Analyse zeigte sich: Entscheidungsrechte waren zentralisiert, Führungskräfte hatten wenig Gestaltungsspielraum.
Erst als diese strukturellen Fragen geklärt wurden, konnten neue Arbeitsweisen greifen. Agilität war kein Selbstzweck mehr, sondern Mittel zur besseren Entscheidungsfindung.
Wo liegen aus Ihrer Sicht die häufigsten Denkfehler in Transformation und Change Management?
Ein zentraler Denkfehler ist die Annahme, Veränderung müsse konfliktfrei sein. Das ist unrealistisch. Transformation bedeutet, Gewohntes infrage zu stellen. Ein weiterer Fehler: Kultur als isoliertes Thema zu betrachten. Kultur ist kein Projekt, sondern das Ergebnis von Führungsentscheidungen. Und schließlich: Die Hoffnung, dass neue Tools – etwa KI-Lösungen – strukturelle Probleme lösen. Das Gegenteil ist oft der Fall.
Welche drei Sofortmaßnahmen empfehlen Sie Geschäftsführer: innen?
Erstens: Prioritäten radikal klären. Transformation im Mittelstand scheitert häufig an Überforderung. Weniger ist mehr.
Zweitens: Entscheidungslogik transparent machen. Unklarheit lähmt Organisationen.
Drittens: Führung aktiv einbinden. Führungskräfte müssen Veränderung nicht nur kommunizieren, sondern vorleben.
Welche Rolle spielen Kultur und Führung in der Organisationsentwicklung?
Eine sehr große. Kultur zeigt sich im täglichen Verhalten: Wie wird entschieden? Wie wird mit Fehlern umgegangen? Führungskräfte prägen diese Muster maßgeblich. Deshalb beginnt Organisationsentwicklung immer bei der Führung in KMU. Ohne klare Erwartungen an Führung bleibt jede Transformation oberflächlich.
Und wie bewerten Sie das Thema KI im Unternehmen?
KI ist ein Verstärker. Sie macht gute Prozesse besser – und schlechte sichtbarer. Entscheidend ist nicht die Technologie, sondern die Einbettung. Wer KI einführt, ohne Rollen, Verantwortung und Entscheidungswege zu klären, erzeugt zusätzliche Komplexität. Erfolgreiche Unternehmen nutzen KI gezielt dort, wo sie Entscheidungsqualität und Effizienz verbessert.
Was unterscheidet Alchimedus® in der konkreten Umsetzung?
Alchimedus® verbindet analytische Tiefe mit Umsetzungsfokus. Es geht nicht um Standardlösungen, sondern um passgenaue Interventionen. Der Netzwerkansatz erlaubt es, unterschiedliche Perspektiven einzubinden – Strategie, Organisation, Führung, Technologie. Gleichzeitig bleibt die Verantwortung klar beim Unternehmen. Beratung ist Unterstützung, kein Ersatz für Führung.
Was macht Sie trotz aller Herausforderungen optimistisch?
Der Mittelstand verfügt über enorme Ressourcen: Nähe zum Markt, kurze Wege, hohe Identifikation. Wenn es gelingt, diese Stärken mit klarer Organisationsentwicklung zu verbinden, entstehen sehr robuste und anpassungsfähige Unternehmen. Transformation ist kein Ausnahmezustand – sie wird zur Normalität.
Mini-Checkliste: Drei Dinge, die KMU heute starten können
- Strategische Fokussierung: Was ist in den nächsten 12 Monaten wirklich entscheidend?
- Führungsrollen klären: Erwartungen explizit machen, Verantwortlichkeiten festlegen.
- Umsetzung überprüfen: Wirkung messen, nicht Aktivität.
Kontakt zu Torsten Becker: info@strukturwerk-beratung.de
| Kurzprofil Name: Torsten Becker Inhaber der Strukturwerk Beratungs UG Rolle: Organisationsberater und Transformationsexperte Spezialgebiete: Transformation im Mittelstand, KI im Unternehmen, Führung in KMU, Change Management, KI im Unternehmen Region: DACH Kontakt: info@strukturwerk-beratung.de Website / LinkedIn: https://www.alchimedus.de/beraterstandorte/strukturwerk-beratungs-ug-haftungsbeschraenkt/ |