Ein Beitrag von Ruprecht Bauer
Warum du ohne gute Prompts nur halb so gut berätst
Du kennst das. Ein Kunde ruft an, braucht schnell eine Einschätzung, eine Vorlage oder eine Idee. Du öffnest dein KI-Tool, tippst etwas ein – und bekommst eine Antwort, die so generisch ist wie ein Horoskop. Frustrierend. Aber nicht die Schuld der KI.
Die Wahrheit ist simpel: Die Qualität deiner Ergebnisse hängt direkt von der Qualität deiner Anweisungen ab. Ein Prompt ist nichts anderes als ein Führungsauftrag an eine Maschine. Und diese Maschine ist wie ein hochintelligenter Praktikant – blitzschnell, enorm leistungsfähig, aber völlig ahnungslos, was dein Unternehmen, deine Kunden oder deine Ziele betrifft.
Als Berater delegierst du täglich. An Mitarbeiter, an Partner, an Dienstleister. Du würdest nie sagen: „Mach mal was mit dem Kunden.“ Du gibst Kontext, Ziel und Rahmen vor. Genau das brauchst du auch bei der KI. Jede Unklarheit ist ein potenzielles Missverständnis. Und Missverständnisse kosten Zeit, Geld und Nerven.
Prompt-Engineering ist keine technische Spielerei. Es ist angewandte Führungskompetenz. Drei Bausteine machen den Unterschied: Klarheit (sag genau, was du willst), Kontext (gib der KI das nötige Hintergrundwissen) und Auftrag (formuliere eine konkrete Handlungsanweisung mit aktiven Verben).
Dieser Leitfaden zeigt dir die sechs wichtigsten Prompt-Typen. Zu jedem Typ bekommst du drei Beispiele, wie es richtig geht, und drei, wie es schiefläuft.
Mein Tipp: Nimm dir 20 Minuten Zeit und gib die Beispiel-Prompts direkt in dein KI-Tool ein – immer zuerst das schlechte Beispiel, dann das gute. Du wirst den Unterschied sofort sehen. Kein Fachartikel der Welt kann dir das so deutlich zeigen wie dein eigener Bildschirm. Probiere es aus. Der Aha-Effekt kommt garantiert.
Prompt-Typ 1: Der Informations-Prompt
Der Informations-Prompt ist dein Recherche-Werkzeug. Du brauchst Zahlen, Daten, Zusammenhänge – keine Meinungen, sondern belastbare Fakten. Er funktioniert am besten, wenn du Branche, Region, Zeitraum und gewünschtes Ausgabeformat klar vorgibst. Je präziser deine Frage, desto schärfer die Antwort.
✅ So geht’s richtig:
„Fasse die drei größten Herausforderungen bei der Elektrifizierung von LKW-Flotten über 7,5 Tonnen in Deutschland für 2025 zusammen. Nenne konkrete Zahlen zu Reichweiten und Fördermöglichkeiten.“
„Erstelle eine Übersicht der aktuellen Förderprogramme für Digitalisierung im Handwerk in Baden-Württemberg. Nenne Förderhöhe, Antragsfristen und Voraussetzungen in Tabellenform.“
„Welche gesetzlichen Änderungen betreffen Handwerksbetriebe mit weniger als 20 Mitarbeitern ab 2026 im Bereich Arbeitszeiterfassung? Nenne die Rechtsgrundlage und die konkreten Pflichten.“
❌ So geht’s nicht:
„Sag mir was über E-Mobilität.“
„Welche Förderungen gibt es?“
„Was ändert sich 2026 für Handwerker?“
Der Unterschied:
Die guten Prompts liefern Branche, Region, Zeitraum und Format mit. Die KI gibt dir ein fokussiertes, sofort nutzbares Ergebnis. Die schlechten Prompts sind Nebelkerzen – du bekommst einen allgemeinen Aufsatz, der für keine konkrete Beratungssituation taugt.
Prompt-Typ 2: Der Struktur-Prompt
Ordnung ins Chaos – Gedanken sortieren, Ergebnisse formatieren
Der Struktur-Prompt bringt komplexe Themen in eine klare, verdauliche Form. Agenden, Gliederungen, Berichtsaufbau, Checklisten – er macht die KI zu deinem Sparringspartner für Klarheit und Ordnung. Besonders wertvoll bei der Vorbereitung von Meetings, Workshops oder Kundendokumenten.
✅ So geht’s richtig:
„Erstelle eine Agenda für ein zweistündiges Kick-off-Meeting zum Thema Nachfolgeplanung im Handwerksbetrieb. Vier Themenblöcke mit Zeitangaben und je einem konkreten Ziel pro Block.“
„Gliedere einen Beratungsbericht zur Übergabereife eines SHK-Betriebs mit 12 Mitarbeitern. Drei Hauptkapitel: Ist-Zustand, Handlungsfelder, Maßnahmenplan mit Prioritäten.“
„Erstelle eine Checkliste mit 10 Punkten, die ein Betriebsinhaber vor dem ersten Gespräch mit einem potenziellen Nachfolger abgearbeitet haben sollte. Sortiert nach Priorität.“
❌ So geht’s nicht:
„Mach eine Gliederung für ein Meeting.“
„Strukturiere das Thema Nachfolge.“
„Erstelle eine Checkliste.“
Der Unterschied:
Ohne Kontext liefert die KI eine Standardgliederung, die auf alles und nichts passt. Mit klaren Vorgaben zu Umfang, Branche und Zweck bekommst du ein sofort einsetzbares Arbeitsdokument.
Prompt-Typ 3: Der Kreativ-Prompt
Neue Ideen auf Knopfdruck – raus aus eingefahrenen Denkmustern
Der Kreativ-Prompt ist dein Zündfunke für Innovation. Er hilft dir, aus gewohnten Bahnen auszubrechen und frische Impulse zu generieren. Wichtig: Kreativität braucht Leitplanken. Ohne Zielgruppe, Kanal und Rahmenbedingungen bekommst du Ideen, die zwar originell klingen, aber in der Praxis nicht funktionieren.
✅ So geht’s richtig:
„Entwirf drei unkonventionelle Marketingideen für einen Malerbetrieb, der Nachwuchskräfte über Social Media gewinnen will. Zielgruppe: Schulabgänger zwischen 16 und 20. Jede Idee mit Slogan, Kanal und konkretem Umsetzungsvorschlag.“
„Entwickle zwei kreative Workshop-Formate für einen Nachfolge-Informationstag im Handwerk. Teilnehmer: Betriebsinhaber 55+. Ziel: Hemmschwelle senken, Dialog statt Vortrag.“
„Schlage drei originelle Ansätze vor, wie ein Bäckereibetrieb mit 8 Mitarbeitern seine regionale Bekanntheit steigern kann – ohne klassische Werbung. Budget: unter 500 Euro pro Monat.“
❌ So geht’s nicht:
„Gib mir Marketingideen.“
„Was kann man für Nachwuchsgewinnung machen?“
„Wie wird ein Bäcker bekannter?“
Der Unterschied:
Die guten Prompts geben Zielgruppe, Kanal, Budget und Format vor. Die KI hat Raum für Ideen,
aber innerhalb eines sinnvollen Korridors. Ohne Leitplanken landen die Vorschläge im Papierkorb statt in der Umsetzung.
Prompt-Typ 4: Der Analyse-Prompt
Beide Seiten der Medaille – Chancen UND Risiken sauber abwägen
Der Analyse-Prompt ist dein Werkzeug für unternehmerische Weitsicht. Er zwingt die KI, nicht nur die Sonnenseite zu beleuchten, sondern eine ehrliche 360-Grad-Sicht zu liefern. Perfekt für Entscheidungsvorlagen und Risikoeinschätzungen. Der entscheidende Trick: Fordere immer explizit Chancen UND Risiken ein.
✅ So geht’s richtig:
„Analysiere Vor- und Nachteile der Einführung einer digitalen Zeiterfassung in einem Tischlerbetrieb mit 18 Mitarbeitern. Berücksichtige Kosten, Akzeptanz im Team, Datenschutz und Einarbeitungsaufwand.“
„Erstelle eine SWOT-Analyse für den Verkauf eines Elektrobetriebs mit 25 Mitarbeitern und stabilem Kundenstamm. Berücksichtige Marktlage, Fachkräftemangel und die Abhängigkeit vom Inhaber.“
„Vergleiche die Optionen Familiennachfolge und externer Verkauf für einen Dachdeckerbetrieb mit 15 Mitarbeitern. Bewerte beide Varianten nach Zeitaufwand, Risiko, erzielbarem Kaufpreis und Mitarbeiterbindung.“
❌ So geht’s nicht:
„Was sind die Vorteile von digitaler Zeiterfassung?“
„Ist der Verkauf eines Betriebs eine gute Idee?“
„Familiennachfolge oder externer Verkauf – was ist besser?“
Der Unterschied:
Einseitige Fragen liefern einseitige Antworten. Die schlechten Prompts produzieren Jubellisten oder unverbindliche Antworten. Die guten Prompts liefern Bewertungskriterien mit und erzwingen eine ausgewogene Analyse. Das ist der Unterschied zwischen Bauchgefühl und professioneller Beratung.
Prompt-Typ 5: Der Rollen-Prompt
Perspektive wechseln – die Welt durch andere Augen sehen
Der Rollen-Prompt ist einer der mächtigsten Hebel. Er zwingt die KI, eine bestimmte Rolle mit deren typischen Sorgen, Zielen und Sprachmustern einzunehmen. Besonders stark bei Kommunikationsaufgaben, Einwandbehandlung oder wenn du die Ängste deiner Kunden antizipieren willst. Wichtig: Rollen-Prompts liefern Simulationen, keinen rechtsverbindlichen Expertenrat.
✅ So geht’s richtig:
„Du bist ein 62-jähriger Schreinermeister, der seinen Betrieb in 3 Jahren übergeben will, aber Angst hat, die Kontrolle zu verlieren. Welche drei größten Sorgen hast du? Formuliere in Ich-Form, ehrlich und direkt.“
„Du bist ein erfahrener Nachfolgeberater. Formuliere eine E-Mail an einen Betriebsinhaber, der seit 6 Monaten die Zusammenstellung seiner Unterlagen hinauszögert. Ton: wertschätzend, aber klar und verbindlich.“
„Du bist ein junger Meister, der einen bestehenden Betrieb übernehmen will, aber unsicher ist, ob er sich das finanziell leisten kann. Welche fünf Fragen würdest du dem Verkäufer beim Erstgespräch stellen? Formuliere in Ich-Form.“
❌ So geht’s nicht:
„Schreib eine E-Mail an einen Kunden.“
„Was denkt ein alter Handwerksmeister über Nachfolge?“
„Welche Fragen hat ein Nachfolger?“
Der Unterschied:
Der Rollen-Prompt erzeugt Antworten mit Tiefe, Emotion und echtem Praxisbezug. Du bekommst Formulierungen, die klingen, als hätte ein echter Mensch mit echten Sorgen sie geschrieben. Die schlechten Varianten liefern oberflächliche Texte ohne Charakter – du erfährst nichts über die tatsächlichen Hürden, die in der Beratung auf dich warten.
Prompt-Typ 6: Der Schritt-für-Schritt-Prompt
Komplexes verdaulich machen – vom Mammutprojekt zum Fahrplan
Der Schritt-für-Schritt-Prompt ist dein persönlicher Coach für komplexe Vorhaben. Er zerlegt große Aufgaben in machbare Etappen und gibt deinem Kunden einen klaren Fahrplan. Besonders wertvoll, wenn ein Thema zu erschlagen droht. Die Forschung bestätigt: KI-Modelle liefern deutlich bessere Ergebnisse, wenn man sie anleitet, schrittweise zu denken – das sogenannte Chain-of-Thought-Prompting.
✅ So geht’s richtig:
„Erkläre in 7 logischen Schritten, wie ein Handwerksbetrieb mit 10 Mitarbeitern seine Übergabereife herstellt. Beginne bei der Bestandsaufnahme und ende bei der Übergabe an den Nachfolger.“
„Beschreibe Schritt für Schritt, wie ein Betriebsinhaber seine Kundenkartei für die Übergabe aufbereitet. Maximal 5 Schritte, jeweils mit konkreter Handlungsanweisung und geschätztem Zeitaufwand.“
„Erstelle einen 6-Stufen-Plan für die Einführung eines einfachen CRM-Systems in einem Malerbetrieb mit 8 Mitarbeitern. Pro Stufe: Was ist zu tun, wer ist verantwortlich, wie lange dauert es.“
❌ So geht’s nicht:
„Wie macht man eine Betriebsübergabe?“
„Erkläre Nachfolge.“
„Wie führt man ein CRM ein?“
Der Unterschied:
Die guten Prompts liefern einen konkreten Fahrplan mit klaren Etappen, Reihenfolge und Handlungsanweisungen. Der Kunde kann sofort mit Schritt 1 loslegen. Die schlechten Prompts produzieren einen allgemeinen Lexikonartikel. Kein Mensch weiß danach, was er als Erstes tun soll.
Fazit: Gute Prompts sind Handwerk – und Verantwortung
Die sechs Prompt-Typen sind dein Werkzeugkasten. Die Kernprinzipien dahinter sind immer dieselben:
- Klarheit – Sag genau, was du willst. Keine vagen Begriffe, keine Mehrdeutigkeiten.
- Kontext – Gib der KI die nötigen Hintergrundinformationen: Branche, Zielgruppe, Betriebsgröße, Rahmenbedingungen.
- Auftrag – Nutze aktive Verben: „Analysiere“, „Erstelle“, „Vergleiche“ statt „Sag mal was über“.
- Datenminimierung – Gib der KI nur die Daten, die sie für die konkrete Aufgabe braucht. Nicht mehr.
- Kontextkapselung – Trenne den Arbeitsauftrag von sensiblen Unternehmensdaten. Die KI bekommt nur den Text, den sie bearbeiten soll.
- Iteratives Verfeinern – Der erste Prompt ist der Startschuss, nicht das Ziel. Qualität entsteht im Dialog.
Deine rechtlichen Leitplanken
Als Berater trägst du Verantwortung – auch beim Einsatz von KI. Zwei Regelwerke musst du kennen:
DSGVO (Verordnung (EU) 2016/679):
Art. 5 Abs. 1 lit. b – Zweckbindung: Dein Prompt definiert den Verarbeitungszweck. Ein unklarer Prompt kann zu einer Verarbeitung führen, die über den ursprünglichen Zweck hinausgeht.
Art. 5 Abs. 1 lit. c – Datenminimierung: Nur die Daten eingeben, die für die Aufgabe zwingend nötig sind.
Art. 6 – Rechtmäßigkeit: Für jede Verarbeitung personenbezogener Daten brauchst du eine Rechtsgrundlage.
Art. 25 – Privacy by Design: Datenschutz von Anfang an mitdenken. Prompts so formulieren, dass sensible Daten gar nicht erst in die KI gelangen.
Art. 32 – Technische und organisatorische Maßnahmen: Für sensible Daten gekapselte, interne KI-Lösungen nutzen.
EU AI Act (Verordnung (EU) 2024/1689):
Art. 6 i.V.m. Anhang III – Hochrisiko-Klassifikation: Prüfe, ob dein KI-Einsatz unter Hochrisiko fällt (z.B. Personalentscheidungen, Kreditvergabe).
Art. 9–14 – Risikomanagement, Daten-Governance, technische Dokumentation und menschliche Aufsicht: Bei Hochrisiko-Systemen ist lückenlose Dokumentation Pflicht.
Art. 52 – Transparenzpflichten: Mach kenntlich, wenn KI im Spiel ist. Dein Kunde hat ein Recht darauf, das zu wissen.
Deine persönliche Verantwortung
Der wichtigste Punkt zum Schluss: KI-Ergebnisse sind Entwürfe. Keine Wahrheiten. Keine rechtsverbindlichen Aussagen. Du als Berater prüfst, bewertest und entscheidest. Die KI bereitet vor, der Mensch verantwortet. Das gilt besonders für rechtliche Aussagen, Finanzdaten und alles, was deine Kunden direkt betrifft.
Behandle jeden Prompt so, als könnte er öffentlich werden. Gib keine personenbezogenen Daten in externe KI-Tools ein. Dokumentiere deine Prompt-Verläufe, besonders bei sensiblen Themen. Und vergiss nie: Ein Prompt wie „Sortiere die besten Bewerber aus“ ist nicht nur schlecht formuliert – er kann als Verletzung deiner Sorgfaltspflicht gewertet werden.
Prompt-Engineering ist kein Hexenwerk. Es ist Handwerk. Und als Berater weißt du: Gutes Handwerk erkennt man am Ergebnis.
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