Ein Beitrag von Andreas Schellhase, Geschäftsführer der DenkArbeit.Ruhr gGmbH
Eine Führungskraft kommt aus einem zweitägigen Kommunikationsseminar zurück. Sie ist begeistert, der Rückmeldebogen trägt Bestnoten. Sechs Wochen später führt sie ihre Gespräche wieder genau wie vorher.
Das ist kein Einzelfall, das ist der Normalfall. Unternehmen bezahlen für einen Tag im Seminarraum und erwarten eine Veränderung im Alltag danach. Zwischen beidem liegt eine Lücke, die kaum jemand einplant.
Die Wirkung einer Fortbildung entscheidet sich nicht nur am Seminartag. Sie entscheidet sich davor und danach. Das klingt unspektakulär, hat aber Folgen für jeden Euro, der in Weiterbildung fließt.
Nach dem Seminar gewinnt die Routine
Der Grund ist simpel. Wer aus zwei Tagen Seminar in einen vollen Posteingang zurückkehrt, hat keine Zeit, Neues auszuprobieren. Das alte Verhalten ist schneller und sicherer. Es ist tausendmal geübt, das neue erst zweimal.
Dazu kommt: Das Gelernte bleibt im Kopf einer einzelnen Person. Der Teamleiter weiß jetzt, wie ein gutes Kritikgespräch läuft. Sein Team merkt davon nichts, weil niemand sonst im Raum war. Wissen, das nur eine Person hat, verändert keine Organisation.
Aus der Meta-Studie von Blume, Ford, Baldwin & Huang (2010)[1] geht hervor, dass lediglich 10-20% des Gelernten hängen bleiben, wenn kein konkreter Transfer in den Arbeitsalltag forciert wird. Die Folge trägt das Unternehmen. Es hat bezahlt, Arbeitszeit investiert und bekommt einen zufriedenen Mitarbeiter zurück, aber kein anderes Verhalten. Der teuerste Posten ist dabei nicht der Tagessatz des Trainers. Es ist die Wirkung, die ausbleibt.
[1] Vgl. Blume, B. D., Ford, J. K., Baldwin, T. T. & Huang, J. L. (2010). Transfer of Training: A Meta-Analytic Review. Journal of Management, 36(4), 1065–1105.
Wirkung muss man einplanen, bevor das Seminar beginnt
Fortbildungen, die hängen bleiben, haben eines gemeinsam. Der Weg in den Alltag ist Teil der Planung, nicht ein frommer Wunsch am Ende. Vier Dinge machen den Unterschied:
- Eine konkrete Aufgabe mit Termin. Nicht „wenden Sie das mal an“, sondern: Bis zum Monatsende führt jede Führungskraft zwei Gespräche nach dem neuen Muster.
- Ein kurzer Check-in einige Wochen später. Fünfzehn Minuten im Team: Was hat funktioniert, was nicht, woran hakt es.
- Auffrischung in festen Abständen. Eine kurze Mail mit den drei wichtigsten Punkten nach zwei und nach sechs Wochen. Das Gedächtnis vergisst zuverlässig, Wiederholung wirkt dagegen.
- Austausch zwischen den Teilnehmern. Wer seine Erfahrung weitergibt, behält sie selbst besser und macht aus Einzelwissen geteiltes Wissen.
Das ist kein großer Aufwand. Es ist der Unterschied zwischen Geld ausgeben und etwas bewegen.
Kompetenzen entwickeln sich vor allem in der Auseinandersetzung mit realen Arbeitsaufgaben (vgl. Dehnbostel 2021[1]).
[1] Dehnbostel, P. (2007). Lernen im Prozess der Arbeit. Berlin: Springer VS.
Fördermittel belohnen genau die Fortbildung, die wirkt
Für berufliche Weiterbildung gibt es Geld vom Land und vom Bund. Viele kleine und mittlere Unternehmen lassen es liegen.
In Nordrhein-Westfalen übernimmt zum Beispiel der Bildungsscheck 2.0 seit Februar 2026 die Hälfte der Kosten, maximal 500 Euro pro Person und Jahr, aus Landesmitteln und dem Europäischen Sozialfonds. Auf Bundesebene geht das Qualifizierungschancengesetz über die Agentur für Arbeit weiter. Je nach Betriebsgröße sind bis zu 100 Prozent der Lehrgangskosten möglich, dazu ein Zuschuss zum Arbeitsentgelt. Für Solo-Selbstständige sind über das Förderprogramm KOMPASS derzeit 90% Kostenübernahme von Fortbildungskosten möglich.
Klar, die Förderungen haben Bedingungen. Das Bundesinstrument verlangt in der Regel einen zertifizierten Träger, einen Mindestumfang an Unterrichtsstunden und einen Antrag vor Beginn. Der Bildungsscheck gilt für Einzelpersonen und hat eine Einkommensgrenze. Eine kurze Inhouse-Schulung am Nachmittag passt da meist nicht hinein.
Das ist unbequem, aber lehrreich. Förderfähig heißt fast immer: länger, strukturierter, mit nachweisbarem Aufbau. Das sind dieselben Merkmale, die eine Fortbildung auch wirksam machen. Wer auf Förderung schielt, wird fast automatisch zur besseren Konstruktion gezwungen.
Ein Hinweis: Förderung funktioniert nicht nachträglich. Programme und Bedingungen ändern sich, deshalb gehört die Prüfung an den Anfang, vor die Buchung, nicht danach.
Die richtige Frage vor jeder Fortbildung
Sie lautet nicht: Welches Seminar nehmen wir. Sie lautet: Was soll danach anders sein, und wie sorgen wir dafür, dass es anders bleibt. Wer so plant, kauft keinen Seminartag, sondern eine Veränderung, die bleibt. Und wer die Förderfrage gleich mitdenkt, baut die Fortbildung von vornherein so, dass sie trägt.
Genau dafür arbeiten wir von DenkArbeit.Ruhr mit dem Alchimedus-Netzwerk zusammen. Qualifizierungen, die im Unternehmen ankommen, samt der passenden Förderwege auf Landes- und Bundesebene.
Eine Fortbildung ist nicht nur dann gut, wenn sie gut bewertet wird. Sie ist dann gut, wenn die Wirkung Monate später noch messbar ist.
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